Constantin Hering

 
Constantin Hering wurde am 1. Januar 1800 in der kleinen sächsischen Stadt Oschatz geboren. 1811 zog die Familie nach Zittau um, wo der Vater Rektor der örtlichen Schule wurde. Nach dem Abschluss des Gymnasiums studierte Hering Medizin in Leipzig. Als besonders begabter Student erhielt er von seinem Dozenten die Aufgabe, eine Abhandlung über den "Irrweg" der Homöopathie zu verfassen. Je mehr sich Hering mit dieser neuen Heilmethode beschäftigte, desto interessanter erschien sie ihm jedoch. Als sich eine Handverletzung entzündete, die er sich bei einer Sektion zugezogen hatte, hätte die Hand amputiert werden müssen, doch ein Freund heilte die Entzündung mit einem homöopathischen Mittel. Von da an bekannte sich Hering offen zur Homöopathie.
Nach Abschluss des Studiums erhielt er die Gelegenheit, 1827 an einer Expedition nach Südamaerika teilzunehmen. In Surinam sollte er zoologische Untersuchungen durchführen. Parallel dazu führte er homöopathische Studien durch, darunter v.a. die Prüfung des Giftes der Buschmeisterschlange. Mit dieser Prüfung führte Hering das erste Tiergift in die homöopathische Materia medica ein, Lachesis muta ist heute eins der wichtigsten homöopathischen Arzneimittel.
Hering kehrte nicht nach Deutschland zurück, sondern sein Weg führte ihn in die USA, 1833 ließ er sich in Philadelphia nieder. Dort war er beteiligt an der Gründung mehrerer homöopathischer Schulen, unterrichtete viel, behandelte Patienten und führte unermüdlich weitere Arzneimittelprüfungen durch. So war er wesentlich beteiligt an der Blütezeit der Homöopathie in den USA am Ende des 19. Jahrhunderts.
Constantin Hering starb am 23. Juli 1880.
Eines seiner in Deutschland verbreitetsten Bücher war sein "Homöopathischer Hausarzt", ein Buch, das auch heute noch anregend zu lesen ist. Deshalb seien hier einige Teile daraus zitiert.
 
Auszüge aus:

Constantin Hering's Homöopathischer Hausarzt.

14. Auflage, 1875.
(Nachdruck beim
Verlag Bernd von der Lieth.)

 
Wie man sich einen Arzt wählen sollte.

Kurzgefaßter Krankenbriefsteller, oder Anweisung, wie man dem Arzte Bericht erstatte.

Kurzgefaßte Anweisung zur Lebensweise.
Seele
Wärme / Licht / Luft / Wasser / Kleidung
Schlaf
Essen, Trinken, Genüsse

Ordnung
Speisewechsel
Getränke
Gewürze
Schokolade
Kaffee
Tee
Tabak

Parfüme und Schminken
Arzneien
 
 
Wie man sich einen Arzt wählen sollte.
[...]
Die große Kunst, einen Arzt zu wählen, kann hier nicht gelehrt werden, darüber ließe sich gar viel sagen, was mancher nicht gern hören würde, sondern weil es Abtheilungen und Secten gibt, und Laien davon reden hören, soll hierüber gesprochen werden.
Man muß wissen, daß, wie es bei allen Dingen in der Welt verschiedene Sorten gibt, so ist's auch mit homöopathischen Ärzten.
Zum ersten theilen sie sich in halbe und ganze. Die Halben sind aber nicht wie die halben Thaler, wo immer zwei einen ganzen machen, sondern die Halben sind entweder auf halbem Wege, und auf einem guten, und werden nach und nach zu Ganzen, oder es wird nichts aus ihnen. Die letzteren wären nicht anzuraten.
Zum andern gibt es unter den Ganzen: gute und böse. Die guten sind vorzuziehen, es ist wie mit einer guten Frau. Aber wer weiß es denn vorher zu beurtheilen? Und wenn man ein dickes Buch darüber schriebe, wer läse das? Und wenn es die Leute läsen, wer folgte? Beim Heiraten und beim Wählen eines Arztes machen oft sonst gescheide Leute sehr dumme Streiche. Jeder wähle also einen Arzt, mit dessen Denkweise und Gemüthsart er übereinstimmt. Das Gesetz gilt auch hier: Aehnlich heile Aehnlich. Nun werden sich die bösen gewiß nicht über mich beschweren!
 
[...]

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Kurzgefaßter Krankenbriefsteller, oder Anweisung, wie man dem Arzte Bericht erstatte.
Eben so nöthig, als Feder, Tinte und Papier, ist Poststempel und Arztlohn. Gib so viel du kannst; bist du arm, sag's kurz; aber versprich dem Arzte nichts, denn es glaubt es doch keiner; versprich nicht einmal einen Gotteslohn, denn das ist des Arztes eigne Sache. schilt nicht auf andere Aerzte, denn das zeigt nur dem Empfänger was ihm auch bevorsteht.
 
 ERSTENS schreibe kurz und bündig was dich plagt und was du möchtest los werden, und meide dabei alle gelehrten Ausdrücke, falls du dergleichen solltest aufgeschnappt haben. Schreibe was du fühlst, und wie. Es ist wohlgethan, wenn du das erst für dich selber auf einen halb umgebrochenen Bogen schreibst, Raum dazwischen und daneben, und, wenn du fertig bist, für den Arzt abschreibst, das erste aber dir zum späteren Vergleichen aufhebst.

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 ZWEITENS mach's vollständig, und bestimme bei jedem Zeichen
a) die Art wie du fühlst genau, scheue dich nicht es wie die Kinder zu machen, deine Empfindungen mit andern bekannten Dingen oder solchen, die man sich denkt, zu vergleichen; wenn's sticht, ob es sticht wie mit einer feinen Nadel, oder einer großen, wie mit Stacheln oder einem Messer; wenn es klopft, ob wie ein kleines Hämmerchen oder ein großer Hammer; schneidet es wie eine Glasscherbe oder wie ein stumpfes Messer u.s.f.

b) Sage genau wo du etwas fühlst, bestimme den Ort bis auf den Zoll; nimmt ein Schneider Maß, warum nicht der Kranke auch? Ueberall gibt's feste Orte am Leibe, woran man den Abstand messen kann, und jede Richtung läßt sich durch zwei Orte, jeder Ort wieder durch zwei Richtungen bestimmen; vergiß niemals rechts und links, vorn und hinten, oben und unten.

c) Dann überdenke deinen Tag, und schreib' auf, was du des Nachts merktest, welche Stunde der Nacht; des Morgens, ob vor Tage, beim Erwachen, nach dem Erwachen, nach dem Aufstehen, beim Waschen, nach dem Waschen, vor dem Frühstück, dabei oder nachher; und so bedenke alles, wenn dieses oder jenes Zeichen mehr oder weniger bemerklich sein sollte, vor, bei, oder nach andern Verrichtungen des Leibes oder der Seele. Alles, was eine Stunde hält, bestimme genau, auch wenn's täglich früher oder täglich später kommt.

d) Ferner bedenke, ob Stellungen des Leibes, diese oder jene Lage, diese oder jene Bewegung Einfluß hat auf irgend eine deiner Empfindungen; ob Wärme oder Kälte darauf wirkt, Wind und Wetter, die Mond- und Jahreszeiten, und schreib's dazu, wenn du dergleichen bemerken solltest.

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 DRITTENS. Hast du auf diese Weise alles Einzelne, was dich plagt, alles, was du am liebsten weg haben möchtest, aufs Papier gebracht und so vollständig beschrieben, wie der Arzt es kennen muß, damit er die Mittel dagegen zu wählen im Stande sei, so bedenke nun, daß, wie vollständig auch das Bild sein möge, es doch nur das ist, was du deine "Krankheit" nennst. Der Arzt wird vielleicht dadurch in den Stand gesetzt, deiner Krankheit einen Namen zu geben. Aber nur der Quacksalber und der ganz gemeine Doctor kann auf eine "Krankheit" loscuriren. Jeder wirkliche Arzt wird sagen: Deine Krankheit geht mich nichts an, KRANKHEITEN kann gar niemand heilen, denn die haben ihren Bestand nur in den Büchern, es ist unsinnig dergleichen behandeln zu wollen; es ist Betrug, es vorzugeben. Der wahre Arzt hat es immer und einzig nur mit KRANKEN zu tun, die kann er heilen oder doch bessern.
Darum gib eine Beschreibung deiner selbst; läßt sich's thun, leg' ein wirkliches Lichtbild oder eine Photographie bei, was dem Arzte eine große Hilfe wäre, also dir. Melde Alter, Geschlecht, Leibes- und Gemütbsbeschaffenheit (gewöhnlich Temperament genannt), Farbe der Haare und Augen, des Gesichts, und was etwa sonst noch zu bemerken; etwaige Leibesschäden und alles bis auf die Warzen im Gesicht, an den Händen u.s.f. Dann setze noch hinzu, was du sonst etwa zu bemerken hast über solche Teile des Leibes oder der Verrichtungen, die bisher in deinem Berichte noch nicht erwähnt worden waren, z.B. Seelenfähigkeiten, Wahrnehmungen im Kopfe, an den Augen, Ohren, der Nase, beim Sehen, Hören, Riechen; besonders im Verlangen nach Essen und Trinken, was du gern ißt oder nicht gern, was dir gut bekommt oder übel, auch wie du dich nach dem Essen befindest, und zwar entweder sogleich oder später, und wie lange nachher; wie die täglichen Ausleerungen beschaffen find, wann, wie oft, besonders das Harnlassen; desselbigengleichen alles was die Geschlechtsverrichtungen betrifft und bei den Weibern, alles, was vor, bei und nach ihrem Mondlichen bemerkt wird, ob dies nach 28 Tagen kommt, oder vorsetzend, oder nachsetzend, ob mit Vollmond oder Neumond.
Bemerke, ob du geneigt oder nicht geneigt bist, dir Bewegung dieser oder jener Art zu machen, und was dabei sich zeigt, und bei den verschiedenen Anstrengungen, ob warmes oder kühles Verhalten dir mehr zusagt, ob du Verkältungen ausgesetzt bist, und was darnach erfolgt; oder schädlichen Gerüchen und dergl. mehr.

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 VIERTENS kann eine Geschichte deines Krankwerdens nützlich sein, was für sogenannte "Krankheiten", und wie lange her du sie gehabt. Erzähle frühere Missbehandlungen, so viel dir davon bekannt ist, was alles mit dir vorgenommen wurde und was du versuchtest. Lassen sich die Namen der Arzneien erfahren, welche verschluckt wurden, so meld' es.
Vor allem aber ist es wichtig, einen genauen Bericht zu geben, in welcher Folge sich die verschiedenen Beschwerden eingestellt haben. Ebenso wie es keinem Kranken zusteht, bestimmen zu wollen darüber, was er durch den Arzt geheilt haben will und was nicht, sondern es nothwendig ist, daß der Arzt alles kenne, weil alle Heilung darauf zielen muß, den ganzen Menschen zu heilen, dies aber immer nur von Innen nach Außen, oder von Oben nach unten geschehen kann, ebenso muß der Arzt auch genau die Ordnung erfahren, in welcher alles entstand. Das ist auch eines jener großen Gesetze, welche Hahnemann entdeckte, daß bei jedem Kranken die verschiedenen Beschwerden, die sich nach und nach einstellten, immer IN DER UMGEKEHRTEN ORDNUNG IHRES ENTSTEHENS entfernt werden müssen, also die letzten zuerst, und die ältesten zuletzt, und es läßt sich das nicht ändern; wenn der Kranke und sein Arzt sich nicht genau darnach richten, so wird nichts aus der Heilung, und der Kranke wird entweder gar nicht gesund, oder bleibt's nicht lange. Darum ist es auch so wichtig, daß alles Neue, was der Kranke während der Behandlung bemerkt, sorgfältig aufgeschrieben werde, ebenfalls wann diese oder jene Beschwerden aufhören, und zwar genau in welcher Ordnung und Folge. Wenn ein Arzt nicht großen Werth auf alles dies legt, so taugt er nichts oder versteht nichts, und wird wenig leisten.

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 So schreibe den Brief und spare das Papier nicht, sondern mache fleißig neue Absätze, setze Zahlen zu den verschiedenen Zeichen deines Leidens, damit es dem Arzte und dir selber leicht wird, in späteren Briefen durch die Angabe der Zahl die vielen Wiederholungen zu ersparen.
 Nun versteht sich's von selber, daß Name und Ort, wohin die Antwort zu schicken sei, angegeben werden, und zwar genau und leicht leserlich. Vor allen Dingen aber vergeßt nicht, Euern Brief auf der Post zu bezahlen. Bedenkt, was für eine große Unverschämtheit sich aus vielen kleinen zusammenballen könnte.
 Noch Eines: Schreibt euch ein Doctor in gelehrten Ausdrücken und kauderwelscht, so daß ihr den Petri oder den Heinsius herbeiholen müßt, um zu verstehen, was er meint, so nehmt lieber gleich einen andern, denn der taugt sicher nichts, und hätte er in allen fünf Welttheilen Kranke zu behandeln, und wär' er ein geheimer, Hof-, Sanitäts- oder wer weiß was noch für ein Rath. Es giebt auch Unrath unter selbigen.
 

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Kurzgefaßte Anweisung zur Lebensweise.

Das Innere ist der Herr des Aeußeren, Höheres beherrscht Niederes, das Innerste des Menschen ist seine Seele. Habt immer einen großen Gedanken in eurer Seele, hegt ihn, pflegt ihn, denkt ihm nach. Es gibt ihrer genug!
Einer sagte, als er kam zu sterben: „Gib mir einen großen Gedanken, mein Sohn!" Was aber im Sterben hilft, warum nicht schon im Leben? und zwar alle Tage, alle Stunden. Ein anderer sagte: „Von den Märtyrern könnte man die Kunst zu sterben lernen." Wär's nicht besser, wir lernten auf dieselbe Weise, schon die Kunst zu leben?
Seid immer thätig, so viel ihr könnt; es heilt eine verwundete Fußsohle doch eher bei mäßigem Gehen, als bei trägem Liegen, warum nicht eine kranke Seele! Darum ist schreiben besser als lesen, sprechen besser als hören, geben auch da besser als nehmen.
Aller Arbeit Rangordnung ist: Nimm das Nächstnöthige zuerst, und so geh weiter. Jede Thätigkeit muß dem allgemeinen Besten förderlich sein; wo nicht, so ist sie, wie man sonst zu sagen pflegte: „des Teufels".

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Für WÄRME im rechten Maße und im often Wechsel sorgt so viel ihr könnt; ihr müßt aber selber lernen, was euch und den Euern wohl thut, es kann's euch niemand in ein paar Worten sagen. Stubenwärme sollte die Wärme des Blutes nicht übersteigen, ebenso wenig Speisen und Getränke, kalte Genüsse nie kälter sein als das Wasser aus einem tiefen Brunnen.
LICHT ist unentbehrlich zum wahren Leben, und muß immer zugelassen werden, außer bei Schlafenden. Auch Krankenzimmer haltet so hell als ihr's den Kranken gewähren könnt; nur wenn er schläft, macht's dunkel, und wenn er wach ist, allmählich wieder hell. Irgenetwas mag plötzlich entzogen werden, aber immer darf man es nur ganz allmählich wieder zulassen. Wärme thut wohl von hinten, Licht von vorne, umgekehrt ist es schädlich. Eine Wohnung ist gesünder, je mehr dessen innere Räume durch die Sonne erreicht werden.
LUFT ist Lebenserhalter, man kann sie nicht zu oft wechseln. Zugwind aber zehrt am Leben. Leidet keine eingeschlossene, abgesonderte Luft im Hause, sie wird, wie Sumpfwasser, faul und stinkig. Alles, was die Luft von der Haut ganz abschließt, wie Kautschuk, Wachstaffet u. dgl. ist schädlich.
WASSER ist das Wichtigste für Mund, Schlund und Magen, nur solte es rein sein. Laßt jeden Kranken trinken, so viel er will, auch wenn er es wieder herausbricht, denn es kommt immer anders heraus. Nöthigt euch und jeden zu mäßigem Wassertrinken, auch ohne Durst. Eis ist immer schädlich, auch geschmolzenes. Feuchtes von außen meidet; soll es aber als Umschlag wirken, so bringt immer Trockenes nach außen an. Feuchte Häuser sind immer sehr ungesund. Lauft lieber eine Stunde weit und brecht's am Schlafe ab, wenn ihr dann trocken schlafen könnt.
KLEIDER sollen nicht nur auf den Leib gehörig passen, sondern auch für den Beruf eines jeden. Alles, was dabei hindert, ist schädlich, und zwar auch der Seele. Leder ist für die Gesundheit in allen Fällen das Beste. Wolle will thätige, tapfere Menschen, und macht sie. Linnen will starke und stetige Menschen und macht sie. Baumwolle verweichlicht, und sollte niemals allein gebraucht werden. Seide auf die Haut ist immer ein Wagniß. Fast alle Farben sind giftig, das Grün wirkt am heftigsten, das Schwarz am langsamsten und verderblichsten. Nichts Schwarzes sollte die Haut berühren, Trauerkleider schaden der Gesundheit des Leibes und der Seele. Wäschewechsel ist immer ein Wagniß, frische Wäsche ist Kranken sehr oft verderblich. Man kann Kleider, Betten, Decken und Wäsche nicht oft genug lüften und an die Sonne bringen, aber wohl zu viel waschen. Die Sonne bleicht besser als der tückische Chlorkalk und reinigt besser als die stinkige Seifenbrühe. Reinliche Leute waschen jedes Fleckchen an sich selber, an den Kleidern, an der Stube und im Hause unablässig; die Schlumpigen und Schlottrigen thun es zeitweise und schwappend in Ueberschwemmungen. So haben die Heuchler auch einen Tag in der Woche, den dörren sie wie die Wilden die Fische, die Redlichen aber sorge sieben Tage in der Woche für ihr Heil.

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Neugeborene wachen nur 3 bis 4 Stunden den Tag, später sollen sie zeitig zu Bett und zeitig auf, und 6 bis 7 Stunden oder mehr bei der Nacht schlafen, und 4 bis 5 Stunden über Tag, bis die ersten Zähne alle da sind, nicht unter 10, nicht mehr als 13 Stunden vom ganzen Tage. Dann sollen sie allmählich weniger Schlaf brauchen lernen, aber etwa 9 Stunden müssen sie haben. Junge Leute 7 Stunden. Erwachsene können die Kunst lernen, in wenig Stunden viel zu schlafen, und bringen es bis zu 3 ½ oder 4 Stunden. Weniger würde nicht ausreichen. Wer wenig Schlaf haben kann, esse mehr; wer wenig essen kann, schlafe mehr; beide können sich zwar nicht ersetzen, aber eine Weile ergänzen.
Heftig Kranke und Genesende sollte man schlafen lassen so viel sie können, niemals den Schlaf stören, außer sie stöhnen und ächzen; dann wendet man sie. Am allerwenigsten darf der Schlaf gestört werden nach dem Arzneinehmen. Wenn bei Kranken gewacht werden muß, vertheile man die Nacht bei Zeiten an mehrere, damit wer gegen Morgen wachen soll, schon Abends geschlafen hat. Schlafmangel macht so duttig, das die Kranken darunter viel zu leiden haben, wenn sie gegen Morgen der Hülfe bedürfen.
Merke, daß auf Schlafende alles stärker wirkt, Wärme, Kälte, Licht und Luft, also der geringste Zug; besonders wirken Gerüche. Sorge daher, daß niemand am Ofen oder offenem Feuer einschläft, weder im Sonnenlicht noch im Mondlichte, kein Kerzenschein die Saugen treffe; sorge, daß nichts Feuchtes unbedeckt sei, die Luft rein, und alle Gerüche, gute wie schlechte, entfernt werden, besonders aber, daß keine Phosphorhölzchen irgendwo in der Schlafkammer unverschlossen ihre Dämpfe der Luft mittheilen. Das hat schon manchen unheilbar krank gemacht.

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Beim Essen, Trinken und anderen Genüssen richten wir uns nach Hunger, Durst und sonstigem Verlangen. Wer Durst hat, soll trinken, wenn er etwas hat, aber deswegen nicht mehr als nöthig ist. Wer Hunger hat, soll auch essen, wenn er etwas hat, und bis er satt ist. Aber es muß kein falscher Durst sein, kein falscher Hunger, den muß man mit so wenig als möglich abfertigen. So ist's auch mit Verlangen nach andern Dingen, diesem und jenem. Fieberkranke haben zuweilen ein sehr starkes Verlangen nach bestimmten Genüssen, die sich zuträglich erweisen, wenn sie mäßig erlaubt werden. Verwöhnten, verzogenen Geschöpfen kann man aber nicht zu viel trauen, Kindern am allerwenigsten; die mehrsten Dinge, die sie kränkelnd begehren, sollten sie gar nicht einmal in gesunden Tagen kennen gelernt haben, so wie Kaffee, Eis oder Gefrorenes u. dgl. Gelüste der Schwangeren mögen befriedigt werden, wenn die Dinge zu haben sind und nicht ans Unsinnige streifen. Eben so wenig, als man würde den Appetit nach Menschenfleisch befriedigen, soll man Kreide, Kohlen in Menge verschlingen lassen. Fast immer ist solch Gelüste krankhaft, und muß dann geheilt werden. Eben das gilt bei den aufblühenden Mädchen, wo es fast nur Krankheit oder Unart ist. Langwierige Kranke haben immer ein Verlangen nach dem, was ihnen am schädlichsten ist. Eben so ist es mit dem Garnichtsessenwollen, es ist mehrstens Mucke, besonders bei Kindern, da muß man den Verstand für sie haben. Erwachsenen Genesenden biete man das an, was ihnen in ihren Kinderjahren die gewöhnliche Speise war. Weit mehr soll man dem Widerwillen gegen besondere Speisen und Getränke nachgeben. Manche Kinder wollen lange Zeit kein Fleisch, kein Brot u. dgl. Das ist aber eine Krankheit und muß geheilt werden. Zwang wäre anzurathen, wenn sie sogar keine Arznei nehmen wollen, die doch völlig geschmacklos ist und nicht im geringsten belästigen kann, doch mag man auch da den Zwang meiden und die Arznei im Schlafe riechen lassen oder ein paar mal einathmen, aber nicht zu lange und nicht zu oft; auch Arzneien wirken stärker im Schlafe. Zwang ist bisweilen deshalb nöthig, weil jeder heftig Kranke mindestens etwas Wasser genießen muß, und bei allen langwährenden Leiden etwas Nahrung auch unerläßlich ist.

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Essen will gelernt sein, auch was die Ordnung betrifft. Dadurch unterscheidet sich der Mensch vom Thiere. Manche meinen zwar, wir hätten dieses oder jenes vom Thier gelernt und könnten vielleicht noch mehr vom Vieh profitiren. Aber wenn wir irgend etwas dadurch lernen können, so ist es nur, wie wir es nicht machen sollen; denn dazu ward uns die Vernunft. Lehrt jeder seine Kinder, wie sie anständig essen sollen, so gewöhne er sie auch an eine Ordnung des Tages. Die beste Zeit für den Magen ist Morgens bis Mittag. Das nahrhafte ist für die ersten beiden Mahlzeiten, und zwar das erste Mal weniger, das zweite Mal reichlicher. Nachmittags kommt die Zeit für das mehr Naschhafte, die Zukost. Zwölf Uhr Mittag ist die vollkommenste Zeit für das vollkommene Mahl; muß es verschoben werden, so ist es je näher der zwölf desto besser. Das Abenessen soll mehr zur Unterhaltung dienen als zur Ernährung. Oftes Essen ist nachtheilig; Kinder müssen 3 Stunden warten, Erwachsene müssen nach jeder ordentlichen Mahlzeit ihrem Magen 6 Stunden Ruhe lassen. Nahrhaft nennen wir, was die verbrauchten festen Theile des Leibes ersetzt, also zu Hirn und Nerven, Knochen und Fleisch, Haut und Haaren werden kann; was mehr die stets schmelzenden und verbrennenden Theile ersetzt, ist nur Naschhaftes oder Zukost.

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NAHRHAFTE SPEISEN oder HAUPTKOST sind alles Getreide und das daraus Bereitete, Brot und Mehlspeisen; alle Hülsenfrüchte; ebenso Graupen, Grütze, Reis, Buchweizen u. dgl.; alles Fleisch, Fische, Austern, Eier, Milch, und frischer Käse. ZUKOST sind alle mehr satzmehlhaltigen oder süßen Dinge, Kartoffeln, Wurzelwerk, alle Arten Gemüse und Früchte und was mit Gummi oder Gallerte gemacht wird, besonders aber Fett, Butter und Oel.
Es ist ein grober Irrthum, das weiche Dinge, die leicht zu kauen sind, auch leicht zu verdauen wären. Das zarteste Fleisch der jungen Thiere ist fast immer schädlich, junge Hülsenfrüchte, weiche Erbsen und Bohnen sind ein kaum nährendes Gemüse. Das Feste in der Speise, ja das unverdauliche darin, die Fasern und Hülsen sind ebenso nöthig, als das Flüssige, und unentbehrlich 1. beim Kauen und der Speichelung; 2. beim Durchdrungenwerden und Verdauen im Magen; 3. beim Geschobenwerden den Darm entlang; 4. bei der Ausleerung des Unbrauchbaren. Solchen, die das Feste zu essen scheuen, wegen Schwäche oder Trägheit der im Kauen und Schlingen thätigen Theile, was bei sehr vielen, besonders verzogenen und verwöhnten Kranken vorkommt, schabe das reine Muskelfleisch - je nach der Liebhaberei des Kranken vom Rind, Schaf oder anderen Thieren, - mische es mit zerstoßenem Zwieback oder geriebenem Brote, salze es und mache daraus einen flache Kloß und bereite es durch hinreichende Hitze, mit oder ohne Butter, bis es gar duftet.

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Je thätiger der Mensch, desto mehr Nahrung muß er haben, und je verschiedenartiger diese Thätigkeit, desto verschiedenartiger seine Nahrung. Der Mensch ist angewiesen auf einen steten Speisewechsel neben einer stehenden, sich gleichbleibenden Nahrung. Wer keine Wahl hat, und muß dasselbe immer essen, wird es am Ueberdruß bald merken und auch am Krankwerden. Fast noch widerwärtiger ist jener im engen Kreise herumklappende Wechsel, wo für einen jeden Wochentag immer wieder dasselbe gekocht wird. Das kommt von der Geistesbeschränktheit, von der Trägheit oder der Barbarei derer, die eine Menge Menschen abzufüttern haben; dabei können weder Leib noch Seele gedeihen. Während Speise, Trank und andere Genüsse täglich nach der Tageszeit wechseln, so gibt es auch einen Wechsel nach der Jahreszeit. Je kälter, desto nahrhafter sei die Kost; je wärmer, desto mehr Zukost, dazwischen muß man einen fortwährenden Wechsel der Nebendinge haben, wie bei den Büchern zur Unterhaltung beobachtet wird. Auch sollen die Mahlzeiten der Menschen bei jedem, der's haben kann, aus Mehrerlei bestehen; der Mensch ißt immer verschiedene Dinge mit einander, wovon das Thier nichts weiß. Hier hat sich durch die lange Erfahrung derer, die beobachteten, was zusammen paßt, vieles Brauchbare ergeben. Als ein Gesetz des Miteinander gilt es: Man esse Dinge zusammen, die von verschiedenem Herkommen sind und unter sich einen Gegensatz bilden, z.B. Brot und Milch, Brot und Obst; aber nicht Milch und Obst; Brot mit Butter und Käse; Brot zum Fleisch, aber nicht Fleisch und Milch, oder Fleisch und Käse; Nudeln und Käse passen, aber nicht Milchspeisen und Käse. Aepfel und Nüsse, oder Mandeln und Rosinen passen zusammen, aber nicht Nüsse und Mandeln miteinander. Man meide zusammen zu essen oder zu trinken, oder bald nach einander, was unter sich sehr ähnlich ist und sich nach seinem Herkommen nahe steht. Schon vielerlei Wasser aus verschiedenartigen Quellen in kurzer Zeit hintereinander, bekommt meist schlecht, noch mehr verschiedene Biere oder verschiedene Weine. Nur wenige Fleischarten, wenige Gemüse taugen miteinander, Hülsenfrüchte verschiedener Art aber ganz und gar nicht.

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KRANKENGETRÄNK ist Wasser, dies muß rein sein, so wie Regenwasser, die mehrsten Quellwasser, auch jeder gute Brunnen; hat man das nicht, suche man trübes Fluß- oder Bachwasser zu filtern durch Sand, Kohlen oder Zeuge, oder durch Abkochen, nicht aber durch den sehr schädlichen Zusatz von Alaun. Die Würmchen im Wasser, aus denen die Mücken kommen, machen faulige stinkige Wasser sehr bald rein und trinkbar. Wasser aus geschmolzenem Schnee wird besser, wenn man es kocht. Man kühle Wasser für den Kranken durch Hängen der Flasche in einen tiefen Brunnen, durch Umhüllen der Flasche mit Zeug, Anfeuchten und Hängen in den Zug, oder durch Eis in einem Eimer außerhalb der Flasche. Alles geschmolzene Eis ist schädlich, auch wenn es nicht mehr kalt ist, und zu meiden, wenn man kann. Am schädlichsten find die sogenannten Mineralwasser, künstliche oder natürliche, Sodawasser oder irgend ein anderes. Die Milch, wie sie von der Kuh kommt, aber nicht warm, sondern abgekühlt oder wieder gewärmt - denn langes Kochen macht die Milch hart und unverdaulich - ist in vielen Fällen, besonders verdünnt, ein gutes Getränk, Rahm selten, Molken auch selten. Saure oder geschlickerte Milch für manche Fälle. Buttermilch ist für Alte gut, nicht für Kinder, am wenigsten für kränkliche Kinder mit wehen Augen, geschwollenen Drüsen, Ausschlägen und Geschwüren, die Saures gern haben. Fleischbrühe, nur die mit kaltem Wasser angesetzte und lange gekochte, jede andere ist in den meisten Fällen schädlich. Schleimige Getränke aus Graupen, Grütze, Reis, am besten mit den Graupen, mit der Grütze, mit dem Reis zu essen, so auch Sago, sind oft passend als Getränke oder Suppen, aber nicht für jeden Kranken. Zu den Graupen passen gebackene Pflaumen, zur Hafergrütze kleine Rosinen, zum Reis die großen Rosinen, zu Sago Wein; dadurch wird es vielen Kranken angenehm. Arowroot und anderen Stärkemehlbrei mag essen, wem's schmeckt, oder auch trinken, es nutzt aber wenig, und schadet oft. Arabisches Gummi ist meist schädlich, ebenso Althäa u. dgl. BROTWASSER aus Roggenbrot oder Weizenbrot oder Zwieback oder geröstetem Brot, am allerbesten als eine Suppe mit dem Brote selber und mit Milch, oder wenn es getrunken sein muß, abgegossen und abgekühlt. Röste es nicht zu viel, und brühe das noch heiße mit kochendem Wasser ab und lasse es dann kalt werden; in vielen Fällen besser gemischt mit Aepfelwasser. Fruchtsäfte sind meistens zu viel versüßt oder gar mit Essig verdorben, daher nur auf Anrathen des Arztes, oder bei ganz besonders großem Verlangen. Das beste Fruchtgetränk ist Aepfel in Wasser gekocht, mit etwas kleinen Rosinen. Alles mit sauren oder säuerlichen Früchten bereitete Getränk, so wie die Früchte selbst, sind Kranken, wenn überhaupt erlaubt, weit zuträglicher gegen Morgen, des Morgens früh, Vormittags; werden aber sehr oft schädlich, wenn sie des Abends genossen werden. Nach dem Mittagsessen, gegen Abend und Abends passen die mehligen würzigen Früchte, der echte Apfel, die Quitte. Wein und Wasser ist ein gutes Getränk für viele Genesende oder langwierig Kranke. Eier im Getränke dienen allen denen, die anfangen allerlei feste Speisen zu genießen. Man klopft das Dotter, und gießt, kalt oder warm oder heiß, Wasser oder Bier oder Wein oder Fleischbrühe darauf, verdünnt nach Belieben, und würzt mit Salz oder Zucker.

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Das nothwendige Aufbewahren, so wie das dem Menschen unerläßliche Bereiten der Speisen macht Gewürze unerläßlich. Salz und Zucker dienen dazu vorzugsweise und sind zum Leben ohnedies unentbehrlich, nur ist sehr wenig nöthig, das Zuviel also desto schädlicher. Alle Gewürze oder Bewahrmittel sind Arzneien, wirken wie jede andere Arznei, machen krank, ändern die bestehenden Krankheiten, können die Wirkung der Arznei mehr oder weniger stören, sollten daher bei der Hahnemann'schen Behandlung gleich andern Störungen durch Arzneiliches so viel als möglich vermieden werden.
Wenn wir die Wirkungen der Stoffe, welche wir in unsern Leib aufnehmen, und die dadurch erregten Bewegungen oder Thätigkeiten der verschiedenen Theile, mit jenen durch Festes, Flüssiges, und besonders durch die Luft hinfliegenden Schallbewegungen vergleichen, so ist freilich das Leben sehr vieler Menschen, besonders derer, denen viel zu Gebote steht, einem großen Lärm zu vergleichen, wo allerlei Geräusch mit schrillenden Mißklängen durcheinander sich kreuzt. Die rechten passenden Klänge und selbst schöne Töne werden dadurch beeinträchtigt oder gehen verloren. Bei beobachtenden, denkenden Menschen soll das Leben aber auch in dieser Hinsicht ein stetes gesetzliches Nacheinander, und ein wohlgefälliges und übereinstimmendes Miteinander sein. Wenn wir das einst besser wissen, wird manches, was jetzt auf die verbotene Liste kommt, erlaubt, ja verordnet werden. Bis dahin muß man alles meiden und die Lebensweife so frei als möglich von Störungen halten.
WÜRZEN, die zum Fördern oder Hemmen des Umsatzes im Leibe dienen, find: Salz, mäßig, nur in kleinen Mengen, eben so mäßig Zucker, noch minder Säuren, Essig. Am allerseltensten, d.h. nur ausnahmsweise bei gewissen bestimmten Speisen, wo die höhere Kochkunst einen solchen Zusatz verlangt: Senf, Meerrettig, Zwiebeln, Knoblauch, der schon dem Teufelsdreck der Orientalen sich nähert; Petersilie, Sellerie, Kerbel, Kümmel, Fenchel, Anis, Coriander, jedes nur bei wenigen Speisen, und selten; Thymian, Majoran, Melisse, Basilikum, Salbei; ebenso Dragun, Lorbeerblätter, Wachholder, Safran, Pfeffer, Rothpfeffer, Nelken, Muskat, Vanille, Zimmt, Jngwer, Cardamom, Catchup, Cassaribo. Alles dies bei Gesunden selten und ausnahmsweise, bei Genesenden nur nach besonderem inneren Verlangen, Kranken aber gar nicht.

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Die warmen Morgengetränke sind wie die täglichen Zeitungen, sie lassen sich kaum abschaffen, obschon sie die Kraft im Volke ebenso mindern und wie die Brantweine hemmen und hindern. Das beste Morgengetränk ist kaltes Wasser, bei Kindern zunächst Milch, die durch Brot oder Semmel besser gewürzt wird als durch Zucker, bei Aelteren zunächst reiner Wein mit Wasser, oder dieses nachher.
CHOKOLADE kann Kindern, aber ohne Gewürz - Zimmt und Vanille sind ihnen besonders schädlich - gestattet werden; aber sie muß lange mit Wasser gekocht worden sein, dann erst Milch und etwas Zucker zugesetzt; man muß immer Wasser nachtrinken. Alles Geröstete ist erhitzend und hemmend. Manchen Erwachsenen bekommt sie gut, soll niemals nach Tische, selten Abends genossen werden. Verlangt freie Luft. Stillenden anzurathen.
KAFFEE sollte nur von guter Art sein, ausgelesen nnd gewaschen, nicht zuviel geröstet, aber in jeder Haushaltung bereit sein. Sollte niemals Kindern gegeben werden, denen er stets nur schadet; eben so wenig Stillenden, so lange sie säugen; niemals Kranken mit Fiebern, und Genesenden nur bei sehr großem Verlangen, und sehr mäßig des Morgens; unheilbaren Kranken zu gestatten, doch nur bei großem Verlangen. Dagegen dient er in den mittlern Lebensjahren sehr wohl denen, die viel ins Freie gehen, oder Tag und Nacht abgeäscherten Frauen, die bei Arbeiten oder Anstrengungen im Freien der Nässe und Kälte ausgesetzt sind, auch nach großen Geistesanstrengungen; im Alter, je höher, desto mehr wird er ein Lebensbalsam, besonders denen, die viel zu denken haben und freie Luft nicht entbehren. Unmäßige Kaffeetrinker werden rücksichtslos.
Alle sogenannten Stellvertreter des Kaffee haben das Schädliche, das Geröstete, ohne die Tugenden des echten Kaffee, sie machen die Leute verkältlich, stören die Heilungen, besonders bei Fiebern, und sollten daher nur Verwöhnten als Milchfärbemittel in kleinen Mengen erlaubt werden. Jedes derselben hat seine eigenen Schädlichkeiten. Malzabkochung ist noch das Beste, oder schwachgeröstete Weizenkleie.
THEE ist, obschon er ganz verschieden wirkt, ebenso schädlich, besonders da fast aller im Handel verdorben, verfälscht, ja vergiftet wurde. Reiner chinesischer Thee ist nach großer Ermüdung, besonders bei Nahrungsmangel, das allervortrefflichste Getränk. Auch ist er geschwätzigen Weibern unentbehrlich. Kindern eben so schädlich als Kaffee, nur auf eine andere Art. Alle Theetrinker werden denkfaul.

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Wer aber warm trinken will, also denkt er muß, lasse sich, wo reines Bier zu haben ist, davon kochen, und zusetzen was ihm beliebt, Mehl, Eier, Zucker u. dgl. Reiner Wein ist auch warm und mit allerlei Zusätzen unter allen Morgengetränken das Beste.
TABACK rauchen ist nur beim reifen Mannsalter zu gestatten, Kindern giftig, paßt es nur für den durch harte Arbeiten gedrückten Mann, mindert den Puls und den Aerger über abstumpfende, ertödtende Zumuthungen; die Jugend hindert sich nur dadurch, im hohen Alter fängt es wieder an mehr und mehr zu schaden und muß aufgegeben oder doch sehr gemäßigt werden.
Vor dem Essen ist es schädlich, nach dem Essen bei Manchen förderlich, wenigstens hält es ruhig. Vorm Schlafe sollte aber niemand rauchen, außer er wäscht sich Mund und Zähne sehr sorgfältig vor dem Zubettgehen. Jeder weiß doch, wie alte Cigarrenstummel stinken und sollte doch solchen Stank nicht während der Nacht einathmen, am allerwenigsten es andern lebenden Wesen zumuthen.
Schnupfen sollte man auch nicht vor dem Essen, ebenso wenig während desselben, erst nachher wenn man fertig ist.
Ganz und gar zu meiden sind alle Stankvertreiber oder sogenannte Parfümerien, sie sind ohne Ausnahme widerwärtig, der Gesundheit schädlich, der Heilung hinderlich und, was freilich den Zierbengeln und Zierbengelinnen gar nicht einfällt zu bedenken - es schadet anderen Leuten auch.
Alle Haarfärbemittel, Schminken und sonstige dumme Betrügereien, die doch jeder Gebildete sogleich bemerkt und verachtet, rächen sich durch Erkrankungen, bei denen wenig oder nichts auszurichten ist.
Alle sogenannten Arzneien, innerlich oder äußerlich, alles, was in Zeitungen als geheim austrompetet wird, selbst sogenannte Zahnmittel, alles, was durch Recepte verschrieben wird, alle Arten Kräuterthee, Holz- und Wurzelabkochungen, alle Arten Pillen, Tränkchen, Mixturen, Tincturen, Latwergen und dergl. sind ohne Ausnahme Gebräue der Hölle.
Eben so, außer warme und kalte Wasser, alles äußerlich Angewendete, Bleiwasser, Streupulver, Puder, Salben, alle Pflaster - auch Arnicapflaster - sind schädlich und schlechterdings nicht Hahnemannisch; Senfumschläge und alle andern Umschläge hindern die Heilung.
Merke: So wichtig es ist, je nach den Lebensaltern auch die Lebensweise abzuändern, so ist es auch je nach der Leibesbeschaffenheit und der Anlage zu dieser oder jener Krankheit; bei jedem Kranken muß die Lebensweise je nach den Umständen und nach den Beschwerden festgesetzt werden. Darüber ist manches im Buche gesagt, und soll, wenn's vergönnt wird, auch in einem besonderen Büchlein ausführlich abgehandelt werden.

(d. 15 Mai 1863)

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